LESUNG am Dienstag, 5. Mai 2015, 20:00 Uhr Lichtspiele Katsdorf

Irrrall, Hofstätter, Pohl Maria Hofstätter, Elfriede Irall und Tom Pohl lesen live im Kino Katsdorf aus Briefen, regionalen Pfarrchroniken, Memoiren und Berichten von ZeitzeugInnen über die letzten Monate der NS-Zeit im Mühlviertel. Der 5. Mai 2015 ist der 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Gusen und Mauthausen.

Veranstaltungsrückblick > HIER.

Tonaufnahme der Lesung durch Radio Freistadt: http://cba.fro.at/286680

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Abwechselnd lesen die InterpretInnen  kurze Texte, die mit dem Ende der NS-Zeit und vor allem mit dem Tag der Befreiung der Konzentrationslager Mauthausen und Gusen zu tun haben. Einer der geografischen Schwerpunkte bei der Textauswahl liegt auf der Gemeinde Katsdorf, da viele der Zitate den „Katsdorfer Heimatblättern“ entnommen sind. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Nach der Lesung gibt es die Möglichkeit zu einem Publikumsgespräch. Auszüge aus der Lesung & Quellenangaben. Idee, Konzept & Textmontage: Gerald Harringer (Filmemacher & Kulturmanager, geb. 1962 in Linz, lebt seit sechs Jahren in Katsdorf) Visuell begleitet von Johannes Pröll Veranstaltungsort: Lichtspiele Katsdorf Veranstalter: Die Grünen, Bezirk Perg

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Textauszüge

Aus folgenden Quellen wurden die Texte zur Lesung zusammengestellt:

Leo Reichl, Katsdorfer Heimatblätter – u.a. Folge 7. Erinnerungen an Ereignisse und Luftangriffe im 2. Weltkrieg und an die Befreiung der KZ-Lager Gusen und Mauthausen und an Nachkriegsereignisse im Jahr 1945.

Pfarrchronik Pregarten, Gendarmerieprotokoll Rainbach (Quelle: „Das Hakenkreuz im Hügelland“ von Franz Steinmaßl, 1988, Verlag Edition Geschichte der Heimat, ISBN-Nummer 9783900943004)

Brief von Johann Blöchl aus Siegelsdorf/Lasberg, 2002.

Life Hanging on a Spider Web“ by Karl Littner (Author), Rudolf A. Haunschmied (Editor), 2011.

Erinnerungsbericht von Albert J. Kosiek, published in: THUNDERBOLT – The 11th Ard Div Association,Vol. 8, No. 7, May-June 1955, 700 Hill Bldg., Washington 6, D.C.)

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  1. April: Der Gauleiter Eigruber sprach als „Reichsverteidigungsinspektor”.
    Die Russen sind bereits in einigen Orten Steiermarks und in der Umgebung Wien in Purkersdorf, an einzelnen Stellen ist die March überschritten. Zur Verminderung der Lagerbestände werden eine Anzahl Punkte der Kleiderkarte aufgerufen. Schuhe können bezogen werden. Wein, Schnaps, Käse und Eier werden in außerordentlicher Weise freigegeben.
    Der Gauleiter sagt: „In Oberösterreich wird nicht verlagert. Niemand wird evakuiert. Niemand weicht aus. Wir verteidigen den Gau bis zum Äußersten.” Plakate prangen an den Wänden: „Offiziere, Soldaten, Wehrpflichtige! An der Enns das ganze halt oder ausweichen, verlagern evakuieren? Nein! Stehenbleiben!”
    PFARRCHRONIK PREGARTEN

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Da Gusen 2 zu einem der über 45 Nebenlagern von Mauthausen zählte, behielten wir die gleichen Häftlingsnummern. Die Nummer war auf ein Stück recyceltes Metall geprägt und mit einem verrosteten Stück Draht auf meinem linken Handgelenk befestigt. Die Nummer war auch auf einem Stück Stoff gedruckt. Dieses war, anders als in anderen Lagern, auf die linke Seite meiner Häftlingsjacke genäht. Wir mussten das Stoffstück auf unsere alte, recycelte und von Läusen befallene Kleidung nähen, die uns in Mauthausen gegeben wurde. Eine Uniform, die wir niemals wechselten oder auszogen, weder im Sommer noch im Winter. Wir trugen sie am Tag und schliefen angezogen. Während meines Aufenthalts in Gusen 2 hatte ich mich niemals entkleidet um mich zu waschen oder zu duschen. Das einzige Mal, wo wir uns alle auszogen, war während der Selektion. Die SS suchte Kandidaten, die getötet und im Krematorium eingeäschert werden. Die toten Körper wurden entkleidet um die zerfallenen und schäbigen Uniformen wiederzuverwenden.
KARL LITTNER

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Auf einmal tauchte auch ein Gruppe Volkssturmmänner, die im Kardenstadl in Lungitz einquartiert waren auf und dann kam noch ein Trupp von der SS-Wachmannschaft vom KZ-Lager in Lungitz. Alle rannten in Richtung zwischen Lungitz und Standorf, wo die Fallschirmspringer voraussichtlich herunter kommen werden. Auch zu den anderen zu erwartenden Landungsstellen waren Autos mit Soldaten unterwegs, um die Fallschirmspringer gefangen zu nehmen.
Mit Schaudern musste ich feststellen, dass darunter Leute waren, die das Gewehr anlegten und auf diese wehrlosen Fallschirmspringer schossen. Manche der Zuseher schüttelten entsetzt den Kopf, wie man denn nur auf so wehrlose Menschen schießen könne. Zum Glück war die Entfernung zu weit, so dass sie nicht trafen.
Plötzlich bemerkten die Leute, dass der zweite Fallschirmspringer den anderen schon weit voraus war. Sein Fallschirm hatte sich nicht ganz geöffnet. Er kam mit größerer Geschwindigkeit herunter. Als ich ihn so herunterkommen sah, hatte ich großes Mitleid mit ihm. Ich verkroch mich in der Holzhütte, denn ich wollte nicht zusehen, wie ein Mensch zu Tode stürzt, während die anderen Leute entweder hinliefen oder sich dieses traurige Schauspiel aus der Ferne ansahen.
Dieser amerikanische Fliegersoldat schlug auf der Birkstummerwiese auf. Er hatte sich aber vorher mit einer Pistole in den Kopf geschossen, so dass er schon tot war. Ich hab mir dann später noch den Toten und die Aufschlagstelle in der Wiese angeschaut. Er hatte eine Einschussstelle am Kopf auf der Unterseite des Kinns.
KATSDORFER HEIMATBLÄTTER

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Plötzlich stieß einer unserer Männer auf eine Gruppe von Menschen, die anscheinend aus einem Gefängnis oder einem Art größeren Zwinger kamen. Er informierte mich sofort und währenddessen kam ein deutscher Soldat auf mich zu. Der Mann war nun im Visier mehrerer verschiedener Waffen als er Haare auf dem Kopf hatte. Er erklärte uns in Englisch, dass vor uns ein Nebenlager eines Konzentrationslagers lag und dass im Lager gefangene Polen, Russen und auch Italiener waren. Wir funkten den befehlshabenden Offizier an und sagten ihm, dass wir den Artillerieschutz nicht bräuchten. Dann umringten wir die 40 Mann des Wachpersonals und schickten sie zurück zum Truppen-Hauptquartier, mit zwei Mann von uns, die sie bewachten.
SGT. ALBERT J. KOSIEK

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